Kindheit und Jugend des Johannes Bückler
Um 1779 wurde Johannes Bückler in Miehlen im Taunus geboren; als Sohn von Anna Maria Schmidt und Johann Bückler aus Merzweiler am Glan. Die Familie mußte nach wenigen Jahren aus Miehlen fliehen, nachdem der Mutter vorgeworfen wurde, sie habe Wäsche von der Bleiche gestohlen. Der Vater wollte nach Polen auswandern, ließ sich jedoch auf dem Weg dorthin von der preußisch- österreichischen Armee anwerben. Kind und Frau zogen jahrelang im Tross mit. Hier lernte der kleine Hannes all das kennen, was eigentlich nicht für ein Kind bestimmt war. Der Vater desertierte und man fand die Familie 1792 in des Vaters alten Heimat Merzweiler wieder. Hannes besuchte die Schule, lernte lesen und schreiben und begann bei dem Wasenmeister Nagel in Bärenbach bei Kirn eine Abdeckerlehre.

Hannes wird Räuber
Dieser Beruf, dessen Inhaber man damals Schinder nannte, zählte zu den sogennanten unehrlichen Berufen. Nach einigen Monaten stahl er dem Meister jedoch Felle und verkaufte sie. Als der Diebstahl bemerkt wurde, floh er. 1798 wurde er erstmals in Kirn verhaftet, brach aber aus, ähnlich wie noch im gleichen Jahr in Saarbrücken. Er schlug sich mit dem Diebstahl von Schweinen, Hammeln und Pferden durch, bis er 1799 zum dritten Mal verhaftet wurde und schließlich in Simmern im Turm der ehemaligen Stadtbefestigung eingesperrt wurde.

Die große Zeit des Schinderhannes
Mit dem Ausbruch aus dem Turm, der eigentlich als ausbruchsicher galt, begann die "große Zeit" des Schinderhannes. Er verlegte sich auf offenen Straßenraub und die Erstürmung von Häusern von Juden in kleineren Dörfern. Weiterhin begann er mit Schutzbrieferpressungen Gelder einzutreiben und er arbeitete mit andern Banden (z. B. Große Niederländerbande) zusammen. Bei den Beutezügen bewies er Gewitztheit und Frechheit. Einem Fellgerber zum Beispiel soll er Leder verkauft haben, das er ihm tags zuvor gerade selbst gestohlen hatte.

Hannes und Julchen
Im Jahr 1800 lernte Hannes die Bänkelsängertochter Julchen Blasius kennen und macht sie zu seiner ständigen Gefährtin. Inzwischen wurde er von der ganzen Gendamerie des des Landes gesucht und verfolgt. Immer öfter tauchte er im rechtsrheinischen unter und trat dort als Krämer "Jakob Ofenloch" auf. Hier wurde er allerdings ohne Papiere aufgegriffen und, um einer Haftstrafe zu entgehen, ließ er sich von der Armee anwerben. Nur sechs Tage später wurde er von einem ehemaligen Miträuber erkannt und verraten.

Der Prozess
Schinderhannes wurde verhaftet und nach Frankfurt gebracht, um dann an die Franzosen nach Mainz ausgeliefert zu werden. Hier saß er im Holzturm und wurde zahlreichen Verhören unterzogen. Er gab, im Glauben, die Strafe mildern zu können, alle Diebstähle und Raubzüge zu und hatte dabei ein erstaunliches Detailgedächtnis. Zum Schluss wurden es 68 Angeklagte, die nach und nach verhaftet wurden. Über 400 Zeugen sagten im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz aus. Julchen bekam im Gefängnis einen Sohn.

Das Ende
Der Prozess endete mit 20 Todesurteilen, die am 21. November 1803 mittels der Guillotine vollstreckt wurden.
Der Vater Bückler bekam eine Kettenstrafe von 24 Jahren, starb aber schon wenige Wochen nach dem Prozess. Julchen Blasius kam mit einer zweijährigen Gefängnisstrafe davon. Sie starb 1851 in ihrem Heimatort Weierbach, als Ehefrau eines Vetters. Später bezeichnete sie die Zeit mit dem Schinderhannes als die schönste in ihrem Leben.